Das Gedröhne von Flugzeugen, die noch nach 21 Uhr im Minutenabstand über Liesing starten, machen klar, dass das absurde Szenario welches den Liesingern seit Jahren geboten wird, kein Alptraum sondern die harte Realität ist.
Während die Austro Control seit Jahren behauptet, eine fünfte Flugroute über Liesing wäre aus Kapazitätsgründen unumgänglich notwendig gewesen, können laut UVE-Unterlagen zur 3. Piste bei steigenden Flugaufkommen sogar 15.5% aller Abflüge auf einer einzigen Flugroute abgewickelt werden und zwar auf genau jener, die von Ost nach West über das dichtest besiedelte Liesing verläuft. Womit aber auch ersichtlich ist, mit welcher Kapazität einer Flugroute man auch in Österreich mindestens planen darf - durchschnittlich 95 Starts pro Tag. Eine einfache Kopfrechnung zeigt, dass die durchschnittlich rund 200-250 Starts pro Tag von der Piste 29 also auch problemlos auf 3 Flugrouten abwickelbar sind und es somit sicher keiner fünften Flugroute bedurfte. (Davon abgesehen gehen sich 5 Flugrouten auch ohne Flugroute über Liesing mit immer noch ausreichendem seitlichen Abstand aus.)
Und obwohl der Flughafen mittels Verdünnungseffekt durch Aufteilung von Flugrouten und eigenartigen Kriterien seit Jahren eine scheinbare Minimierung der Anzahl der Betroffenen vorrechnet, belegen jetzt seine Unterlagen zur 3. Piste, dass der Flugverkehr mit der Flugroutenverschiebung nach Liesing auf dichtes besiedeltes Gebiet konzentriert werden sollte. Damit würden aber auch die ohnehin viel zu hohen Flughafenkriterien von 45 dBA Dauerschallpegel deutlich überschritten werden. Dass im Gegensatz dazu auf der Nachbarflugroute, die über schon deutlich weniger dicht besiedeltes Gebiet verläuft, laut Einreichunterlagen zur 3. Piste nur halb so viele Abflüge gehen sollten und der angebliche zusätzliche Spielraum für Verbesserungen nicht einmal ansatzweise genutzt wird, lässt m.E. nur einen Schluss zu: Offensichtlich spielt die Anzahl der Betroffenen nicht die geringste Rolle, wenn es nur die kürzeste Flugroute ist.
Scheinbar ging und geht es bei der Flugroutenverlegung nach Liesing in Wahrheit also nur um die rücksichtlose Durchsetzung der Interessen der Airlines, denen jeder minimale Umwege erspart werden soll, zumindest wenn dieser nicht andere Vorteile für die Aviation Group bringt. Womit sich der Flughafen offensichtlich einen Standortvorteil auf Kosten der betroffenen Bevölkerung und des Steuerzahlers verschafft. Denn die Allgemeinheit wird auch für die unnötig hohe Gesundheitskosten durch das Überfliegen unnötig vieler Menschen zur Kasse gebeten. Dazu kommt auch noch, dass der Steuerzahler brav Mineralölsteuer, Mehrwertssteuer und zumindest indirekt Grundsteuer zahlen muss, während der Flugverkehr eigenartigerweise von all diesen Abgaben befreit ist. Dass die Kosten der fehlgeschlagenen AUA-Expansion ebenfalls dem Steuerzahler aufgehalst wurden, passt da perfekt ins Bild.
Es stellt sich aber auch die Frage, warum man jahrelang behauptet hat, mit einer 3. Piste dicht besiedeltes Gebiet entlasten zu wollen, während sich das genaue Gegenteil schon seit längeren in den Unterlagen des Flughafens finden dürfte? Hält man Bevölkerung und Fluglärmbetroffene tatsächlich für so dumm?
Und wann fliegt man endlich so, dass es - wie aus den Luftverkehrsregeln abzuleiten ist - tatsächlich möglichst wenig Betroffene gibt? An Vorschlägen dazu mangelt es ja nicht z.B. sollte zu Zielen im Nordwesten idealerweise so gestartet werden, dass die mehr oder weniger dicht besiedelten Siedlungsachsen möglichst vollständig umflogen werden, statt ausgerechnet über dichtest besiedeltes Gebiet zu starten: